Wissenschaftliche Texte sollen präzise, nachvollziehbar und gut strukturiert sein. Trotzdem treten in Hausarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten häufig dieselben Fehler auf.

Die gute Nachricht: Viele dieser Fehler in wissenschaftlichen Arbeiten lassen sich bei einer sorgfältigen Überarbeitung leicht erkennen und korrigieren. In diesem Beitrag erfahren Sie, worauf Sie besonders achten sollten.

1. Zu viele Passivkonstruktionen

Das Passiv ist in wissenschaftlichen Texten nicht grundsätzlich problematisch. Es kann sinnvoll sein, wenn der Vorgang wichtiger als die handelnde Person ist oder die handelnde Person keine Rolle spielt. Zu viele Passivkonstruktionen können einen Text jedoch häufig unpersönlich, schwerfällig und monoton wirken lassen.

Ungünstig:

Es wurde eine Umfrage unter 100 Personen durchgeführt.

Mögliche Alternativen:

Wir führten eine Umfrage unter 100 Personen durch.

Oder

Die Datengrundlage bildete eine Umfrage unter 100 Personen.

Entscheidend ist nicht, das Passiv vollständig zu vermeiden. Setzen Sie es vielmehr gezielt und abwechslungsreich ein. Damit vermeiden Sie einen typischen Fehler in wissenschaftlichen Arbeiten.

2. Übermäßiger Nominalstil

Nominalformulierungen können wissenschaftliche Texte verdichten. Manchmal ist das in wissenschaftlichen Texten sogar notwendig. Häufen sich jedoch abstrakte Substantive (auf -ung, -keit, -heit), wird der Satz schnell schwer lesbar. Sie erschweren in manchen Fällen sogar das Verständnis. Besonders ungünstig wirken mehrere Substantivierungen innerhalb eines Satzes.

Ungünstig:

Die Durchführung der Auswertung erfolgte mittels SPSS.

Verständlicher:

Wir werteten die Daten mit SPSS aus.

Wir werteten die Daten mit SPSS aus.

Alternativ können Sie auch folgende Formulierung verwenden:

Die Daten wurden mit SPSS ausgewertet.

3. Unübersichtliche Schachtelsätze

Lange Sätze sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie können sinnvoll sein, wenn mehrere inhaltlich eng verbundene Informationen zusammengehören. Unübersichtlich werden sie vor allem dann, wenn sie zu viele Nebensätze, Einschübe oder Informationen enthalten.

Ungünstig:

Die Studie, die im Sommer 2023 durchgeführt wurde und an der 50 Personen teilnahmen, zeigte, dass die zuvor formulierte Annahme, die auf den Ergebnissen früherer Untersuchungen beruhte, nur teilweise bestätigt werden konnte.

Übersichtlicher:

Die Studie wurde im Sommer 2023 durchgeführt. An ihr nahmen 50 Personen teil. Die zuvor formulierte Annahme konnte nur teilweise bestätigt werden.

Achten Sie darauf, komplexe Inhalte sinnvoll auf mehrere Sätze zu verteilen. Der Grundsatz lautet nicht „ein Gedanke pro Satz“, sondern: so komplex wie nötig und so übersichtlich wie möglich.

4. Unklare oder nicht überprüfbare Hypothesen

Eine Hypothese sollte möglichst eindeutig formuliert und empirisch überprüfbar sein. Unklare Einschränkungen wie „vielleicht“, „eventuell“ oder „möglicherweise“ gehören in der Regel nicht in die Hypothese selbst

Zu ungenau:

Es könnte eventuell einen Zusammenhang zwischen den Variablen geben.

Präziser:

Studierende, die regelmäßig mit Lernkarten üben, erreichen im Wissenstest höhere Punktzahlen als Studierende, die keine Lernkarten verwenden.

Eine gute Hypothese benennt möglichst konkret die untersuchten Variablen und den erwarteten Zusammenhang. Ob eine Aussage tatsächlich kausal formuliert werden darf, hängt vom Forschungsdesign ab.

5. Uneinheitliche Zitierweise

Innerhalb einer wissenschaftlichen Arbeit sollten Sie einen einheitlichen Zitierstil verwenden. Welche Regeln gelten, hängt unter anderem vom Fachbereich, der Hochschule und den Vorgaben der fachlich betreuenden Person ab.

Problematisch ist beispielsweise, innerhalb derselben Arbeit ohne erkennbaren Grund zwischen unterschiedlichen Zitierweisen zu wechseln:

– Autor-Jahr-System im Fließtext;

– vollständige Quellenangaben in Fußnoten;

– unterschiedliche Regeln für Seitenzahlen;

– unterschiedliche Angaben bei mehreren Autorinnen und Autoren.

Auch die Verwendung von Seitenzahlen richtet sich nach dem jeweiligen Zitierstil. Bei direkten Zitaten sind solche Angaben häufig erforderlich; bei Paraphrasen gelten je nach Regelwerk andere Vorgaben. Prüfen Sie deshalb vor Beginn der Schreibphase die Vorgaben des verwendeten Zitierstils und wenden Sie sie anschließend konsequent an.

6. Inkonsistente Schreibweise und Formatierung

Auch sprachlich uneinheitliche Schreibweisen wirken unprofessionell. Zudem signalisieren sie mangelnde Sorgfalt beim wissenschaftlichen Schreiben. Das betrifft nicht nur Schriftart und Zeilenabstand, sondern auch Details. Achten Sie daher beispielsweise auf:
– einheitliche Abkürzungen wie „z. B.“;
– eine konsistente Schreibweise von Fachbegriffen;
– einheitliche Anführungszeichen;
– gleichbleibende Schreibweisen von Überschriften;
– einheitliche Abstände vor und nach Überschriften;
– eine durchgängige Nummerierung von Kapiteln und Abbildungen.

Am besten legen Sie frühzeitig ein kleines Stylesheet für Ihre Arbeit an. Darin können Sie wichtige Schreibweisen, Abkürzungen und Formatierungsregeln festhalten.

7. Unpassende oder uneinheitliche Zeitformen

Die Wahl der richtigen Zeitform hängt von der Funktion einer Aussage ab. Aus diesem Grund existiert keine starre Regel, nach der Sie Inhalte ausschließlich im Präteritum oder Präsens verfassen müssen.

Forscherinnen und Forscher nutzen das Präteritum meist für eigene, bereits abgeschlossene Untersuchungsschritte:

Beispiel:

Die Datensätze wurden in drei Schritten ausgewertet.

Allgemeine Aussagen, etablierte Forschungsergebnisse oder Hinweise zum Aufbau der Arbeit stehen dagegen im Präsens:

Beispiel:

Kapitel 3 beschreibt das methodische Vorgehen.

Achten Sie daher vor allem darauf, dass Sie die gewählten Zeitformen innerhalb vergleichbarer Abschnitte einheitlich und logisch nutzen.

8. Nicht erklärte Abkürzungen

Unbekannte oder nicht erklärte Abkürzungen können den Lesefluss stören. Führen Sie eine Abkürzung deshalb bei ihrer ersten Verwendung vollständig ein.

Beispiel:

Die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Gewebes.


Anschließend können Sie die Abkürzung verwenden:

Die MRT-Bilder zeigen eine deutliche Veränderung.

Allgemein bekannte Abkürzungen wie „z. B.“ oder „d. h.“ sowie weitere Abkürzungen, die im Duden stehen, müssen in der Regel nicht erläutert werden. Fach- und projektspezifische Abkürzungen sollten Sie dagegen nur verwenden, wenn sie im weiteren Text mehrfach benötigt werden.

9. Unzureichende Genauigkeit

Wissenschaftliche Texte sollten nachvollziehbar und möglichst konkret sein. Wörter wie „viele“, „einige“, „häufig“ oder „oft“ sind nicht grundsätzlich falsch, benötigen aber einen passenden Kontext.

Unpräzise:

Die meisten Teilnehmenden zeigten eine Verbesserung.


Präziser, wenn die Daten vorliegen:

Von den Teilnehmenden erzielten erzielten 85 Prozent im Abschlusstest höhere Werte als im Eingangstest.

Eine konkrete Prozentangabe ist jedoch nicht automatisch besser. Sie sollte nur verwendet werden, wenn klar ist, worauf sie sich bezieht und wie die Verbesserung gemessen wurde.

10. Unvollständige Quellenangaben

Eine sorgfältige Quellenverwaltung ist ein wichtiger Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens. Fehlende oder unvollständige Angaben erschweren die Überprüfung Ihrer Aussagen und können zu unbeabsichtigten Zitierfehlern führen. Dokumentieren Sie deshalb bereits während der Literaturrecherche:
– Autorinnen und Autoren;
– Erscheinungsjahr;
– vollständigen Titel;
– Verlag oder Zeitschrift;
– DOI oder URL;
– Seitenzahlen;
– Datum des Zugriffs bei Onlinequellen.

Achten Sie außerdem darauf, eigene Aussagen und fremde Gedanken klar voneinander zu trennen. Eine Paraphrase benötigt ebenfalls einen Quellenbeleg, auch wenn Sie die ursprüngliche Formulierung nicht wörtlich übernehmen.

Fazit

Fehler in wissenschaftlichen Arbeiten entstehen häufig durch fehlende Einheitlichkeit.

Auch unklare Formulierungen und unvollständige Quellenangaben spielen eine wichtige Rolle.

Ein überzeugender wissenschaftlicher Stil benötigt jedoch keine komplizierte Sprache.

Entscheidend sind vielmehr Klarheit, Präzision und eine nachvollziehbare Argumentation.

Unterstützung durch ein Wissenschaftslektorat

Sie möchten Ihre Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit professionell überarbeiten lassen? Ein Wissenschaftslektorat unterstützt Sie bei sprachlichen und formalen Fragen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • sprachliche Präzisierung;
  • Verbesserung von Verständlichkeit und Lesefluss;
  • Korrektur von Grammatik und Zeichensetzung;
  • Vereinheitlichung von Fachbegriffen;
  • Prüfung formaler Vorgaben;
  • Hinweise auf unklare Aussagen;
  • Kontrolle der sprachlichen Konsistenz.

So erhält Ihre Arbeit den notwendigen sprachlichen Feinschliff. Gleichzeitig bleibt Ihre wissenschaftliche Aussage vollständig erhalten.

Möchten Sie Ihre Arbeit vor der Abgabe professionell prüfen lassen?

Nutzen Sie meine Erfahrung aus über 500 lektorierten wissenschaftlichen Arbeiten. Rufen Sie mich gern an, wenn Sie Fragen haben oder schreiben Sie mir eine E-Mail. Gern nehme ich mir die Zeit, Sie individuell zu beraten und eine Lösung für Ihr Anliegen zu finden.

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