Warum das Wissenschaftslektorat wichtig wird, wenn KI mitgeschrieben hat
Das Wissenschaftslektorat unterstützt Autor:innen nicht nur beim sprachlichen Feinschliff, sondern auch dabei, sensibel sowie rechtssicher mit KI-generierten Inhalten umzugehen und wissenschaftliche Texte datenschutzkonform zu verfassen. Zwar sind Wissenschaftslektor:innen in erster Linie Fachleute für Sprache. Gleichwohl widmen sie beim Bearbeiten eines Textes mit KI-generierten Inhalten, dem Datenschutz ebenfalls besondere Aufmerksamkeit.
Gerade weil KI-generierte Inhalte auf den ersten Blick überzeugend wirken können, lohnt sich ein genauer Blick: Stimmen die Angaben wirklich, sind sie konsistent, datenschutzkonform und wissenschaftlich belastbar? Hier setzt das Wissenschaftslektorat an – mit einem besonderen Augenmerk auf die Herausforderungen, die durch den wachsenden Einsatz von KI beim Datenschutz entstehen
Eine juristische Beratung kann im Wissenschaftslektorat nicht geleistet werden. Aber das Lektorat kann erste Hinweise auf mögliche datenschutzrechtliche Risiken geben und je nach Sachlage empfehlen, eine vertiefte Prüfung durch eine:n Datenschutzbeauftragte:n oder andere Rechtsexpert:innen vornehmen zu lassen. Durch die transparente Kommunikation dieser Risiken kommt das Wissenschaftslektorat seine Sorgfaltspflicht nach und gibt die rechtliche Verantwortung an die zuständige Stelle – in der Regel an die Autor:innen.
Im Folgenden werden einige Aspekte aufgeführt, bei denen ein Lektorat wissenschaftlicher Texte speziell die Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen beim Einsatz von KI-Tools prüfen und unterstützende Hinweise zum datenschutzkonformen Verfassen von Texten geben kann.
1. Pseudonymisierung und Anonymisierung
In wissenschaftlichen Arbeiten sind personenbezogene Daten oft auf subtile Art und vorhanden: Manche Interviewaussagen, Fallbeispiele und/oder Fotos können Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglichen. Ein Wissenschaftslektor bringt den nötigen Blick von außen mit und zeigt, wo sensible Details ‚versteckt‘ sein könnten. Dabei handelt es sich um folgende Daten:
- Persönliche Daten: Das Wissenschaftslektorat prüft, ob Namen, Adressen, Geburtsdaten oder andere Identifikationsmerkmale enthalten sind. Diese sind, sofern nicht zwingend notwendig, durch Pseudonyme oder anonymisierte Bezeichnungen zu ersetzen. Insbesondere im Kontext von KI Datenschutz ist dies von Bedeutung.
- Beispiele: Wenn Studien oder Interviews Namen von Proband:innen oder Befragten enthalten, empfiehlt das Wissenschaftslektorat, die Angaben durch Platzhalter wie „Person A“ oder „Teilnehmer 1″ zu ersetzen.
- Geografische Angaben: Auch Angaben zu einem Ort können, vor allem zusammen mit anderen Daten, Rückschlüsse auf Personen zulassen. Der Datenschutz spielt dabei eine entscheidende Rolle, um die Sicherheit der Angaben zu gewährleisten. Hier ist z. B. prüfen, ob statt des Namens einer Stadt eine weniger konkrete Formulierung, z. B. „eine mittelgroße Stadt in Deutschland“, ausreicht.
- Bilder und Fotos: Bei Verwendung von Bildern und Grafiken wird der Lektorat auf das Einhalten des geltenden Urheberrecht achten. Auch bei der Verwendung von Fotos ist Datenschutz wichtig, um nicht ungewollt sensible Informationen ungewollt publik zu machen.
2. Vertrauliche Informationen
Beim Einsatz von KI-Tools zur Texterstellung oder -überarbeitung besteht ein erhöhtes Risiko, dass vertrauliche Informationen unbeabsichtigt offengelegt oder falsch verarbeitet werden. Das gilt insbesondere für Arbeiten, die in Kooperation mit einem Unternehmen angefertigt werden. Deshalb ist es Aufgabe des Wissenschaftslektorats, hier besonders sorgfältig zu prüfen. Dies betrifft vor allem
- Unternehmensdaten: Enthält der wissenschaftliche Text Informationen über Unternehmen, ist zu prüfen, ob diese Daten öffentlich zugänglich sind oder ob sie der Vertraulichkeit und Geheimhaltung unterliegen. Nennung vertraulicher Firmeninformationen ohne Genehmigung wären kritisch für die Unternehmen. Sie können zudem auch rechtliche Konsequenzen für die Autor:innen haben.
- Geschäftsgeheimnisse: Das Lektorat achtet darauf, dass im Text weder Geschäftsgeheimnisse noch vertrauliche Forschungsergebnisse oder interne Strategien ohne Genehmigung stehen. KI-Tools neigen im Übrigen dazu, Inhalte zu generieren oder zu paraphrasieren, ohne zu erkennen, ob sensible Geschäftsgeheimnisse betroffen sind. Daher ist eine sorgfältige Prüfung durch das Wissenschaftslektorat unverzichtbar.
3. Sensible Daten
Von herausragender Bedeutung ist m Kontext von KI der Schutz sensibler persönlicher Daten. Eine zentrale Maßnahme zur Wahrung dieses Schutzes ist die Anonymisierung. Zu diesen schutzwürdigen Daten zählen vor allem:
- Gesundheitsdaten: Sobald ein Text Angaben enthält, die Rückschlüsse auf die Gesundheit einer Person zulassen, bedarf es einer sorgfältigen Prüfung. Hierzu gehören etwa Informationen zu Erkrankungen, Behandlungen, Medikamenten oder Therapieformen. Der Umgang mit solchen Informationen erfordert strikte Vertraulichkeit. Daher ist hier eine vollständige Anonymisierung von Relevanz, denn nur so ist es möglich, die Privatsphäre dieser Personen zu schützen und das Risiko von Missbrauch zu minimieren.
- Angaben über ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung oder zu politische Meinungen: Auch solche Informationen erfordern besonderen Schutz. KI‑Systeme können solche Angaben verfälschen und Personen identifizierbar machen. Das Wissenschaftslektorat prüft auch hier sorgfältig die Anonymisierung, um Persönlichkeitsrechte und Datenschutz zu sichern.
4. Darstellung der Nutzung von KI-Tools
Der Umgang mit KI in wissenschaftlichen Arbeiten ist ein Thema, das derzeit an vielen Hochschulen intensiv diskutiert wird. Immer mehr Hochschulen fordern von Studierenden und Forschenden eine transparente Offenlegung darüber, in welcher Form KI-Tools im Arbeitsprozess eingesetzt wurden. Üblicherweise erfolgt dies bei Studierenden in der Eigenständigkeitserklärung einer Qualifikationsarbeit. An einigen Hochschulen wird bereits zusätzlich verlangt, ein detailliertes Verzeichnis beizufügen. Darin sollen nicht nur die konkret verwendeten Tools genannt, sondern auch deren jeweiliger Verwendungszweck im Entstehungsprozess der Arbeit beschrieben werden.
Zu berücksichtigen ist aber auch, dass zahlreiche Hochschulen und Fachbereiche aktuell noch an der konkreten Ausgestaltung entsprechender Regelungen arbeiten. Einheitliche Standards existieren bislang nicht, sodass Anforderungen je nach Hochschule oder sogar innerhalb verschiedener Fachbereiche erheblich variieren können. Diese Dynamik bedeutet für Autor:innen, dass sie selbst verpflichtet sind, sich frühzeitig über die jeweils geltenden Vorgaben an ihrer Institution zu informieren und diese möglichst präzise bei der eigenen Arbeit umzusetzen.
Eine Übersicht über die Regelungen an deutschen Hochschulen gibt es hier.
Das Wissenschaftslektorat kann in diesem Zusammenhang beratend begleiten, indem es dafür sensibilisiert, welche Angaben zur Nutzung von KI an welcher Stelle der Arbeit erforderlich sein könnten. Eine rechtsverbindliche oder institutionell bindende Auskunft kann jedoch nicht erfolgen; die Verantwortung für das Umsetzen entsprechender Vorgaben liegt eindeutig bei den Autor:innen. Werden die hochschul- oder fachspezifischen Regeln zuverlässig eingehalten, trägt dies nicht zur Transparenz im Forschungsprozess bei und schützt zugleich vor möglichen Vorwürfen der Intransparenz oder Zuwiderhandlung gegen wissenschaftliche Standards.
Fazit: Was ein Wissenschaftslektorat leisten kann und was nicht
- Das Wissenschaftslektorat als erste Sensibilisierungsinstanz: Wissenschaftslektor:innen sind primär für sprachliche und stilistische Feinheiten verantwortlich. Zugleich dienen sie aber auch als erste Sensibilisierungsinstanz. Beim Lesen des Textes, bei dem die KI mitgeschrieben hat, fallen ihnen Formulierungen auf, die problematisch sein könnten. Dies betrifft vor allem Aspekte des Datenschutzes sowie der Persönlichkeitsrechte oder auch die Nennung sensibler Informationen. In solchen Fällen werden sie die Autoren und Autorinnen auf die entsprechenden Textstellen aufmerksam machen sowie empfehlen, die problematischen Passagen kritisch zu überprüfen und eventuell juristischen Rat einzuholen.
- Das Vier-Augen-Prinzip: Durch das Vier-Augen-Prinzip wirkt das Wissenschaftslektorat zudem als Kontrollinstanz. Wissenschaftslektor:innen sehen den Text mit einem frischen, professionellen Blick. Häufig bemerken sie dabei Aspekte, die Autoren und Autorinne innen in der intensiven Arbeit entgangen sind. So verbessert das Wissenschaftslektorat die Qualität und Sorgfalt des Werkes.
- Keine Rechtsberatung: Das Wissenschaftslektorat kann keine Rechtsberatung leisten. Es kann auch nicht die Verantwortung für die rechtliche Absicherung eines Textes übernehmen. Wissenschaftslektor:innen machen keine endgültige Aussage über die Übereinstimmung mit Datenschutzbestimmungen. Diese Verantwortung liegt bei den Autor:innen selbst. Sie müssen sicherstellen, dass ihr Text den relevanten Gesetzen entspricht.
Die Nutzung von KI im wissenschaftlichen Schreiben bringt neue Herausforderungen für den Datenschutz mit sich. Wissenschaftslektor:innen bieten hier nützliche Unterstützung, indem sie entsprechend beraten sowie Texte prüfen und überarbeiten – ganz im Sinne von Transparenz, Sicherheit und guter Wissenschaft.
Praktische Tipps zum Einhalten rechtlicher Bestimmungen bei Nutzung von KI in wissenschaftlichen Arbeiten – eine erste Auswahl
Wer tiefer in die datenschutzrechtlichen Fragen rund um den Einsatz von KI eintauchen möchte, findet hier eine Sammlung ausgewählter Leitfäden und Handreichungen verschiedener Hochschulen. Die Übersicht wird in den kommenden Wochen laufend ergänzt und erweitert.
Die Universität Osnabrück bietet einen umfangreichen Überblick über die rechtlichen Probleme beim Einsatz von KI, der auch Handlungsempfehlungen für den Umgang mit KI-basierten Anwendungen in Studium und Lehre enthält. Der Fokus liegt auf auf dem Verfassen schriftlicher Arbeiten und Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis.
Eine Checkliste für die zulässige Nutzung von KI-Systemen sowie zu dieDOs and DON’Ts beim Umgang mit Generativer Künstlicher Intelligenz hat die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erarbeitet.
Die Universität Mannheim hat eine Handreichung zum Thema ChatGPT im Studium erstellt. Dieses Dokument fasst die wichtigsten Aspekte für Studierende zusammen.
Die Universität Wuppertal stellt für Studierende und Lehrende Empfehlungen zum Umgang mit KI zur Verfügung.
